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ADS testen lassen ADS-Test für Erwachsene: Was seriös ist und was nicht

Einen einzelnen Test, der ADS sicher nachweist, gibt es nicht. Ein Selbsttest wie der ASRS der WHO zeigt dir in wenigen Minuten, ob eine Abklärung sinnvoll sein kann. Die eigentliche ADS-Testung bei Erwachsenen ist ein ärztliches oder psychotherapeutisches Verfahren aus Gespräch, Fragebögen und dem Blick auf deine Kindheit.

Aktualisiert am 14. Oktober 2026 7 Minuten Lesezeit Redaktion hej mind
Inhalt
  1. Gibt es einen Test, der ADS sicher nachweist?
  2. Was kann ein ADS-Selbsttest?
  3. Kostenlose Online-Tests: Woran erkennst du einen seriösen?
  4. Wie läuft eine ADS-Testung bei Erwachsenen ab?
  5. Wie bereitest du dich auf die Testung vor?
  6. Wer testet ADS bei Erwachsenen?
  7. Häufige Fragen
Auf einen Blick
  • ADS lässt sich weder mit Blutwerten noch mit EEG, Hirnscan oder einem Computertest allein feststellen. Die Diagnose beruht vor allem auf einem klinischen Interview.
  • Ein Selbsttest ist ein Screening: Er zeigt, ob sich eine Abklärung lohnt, ersetzt sie aber nicht.
  • Der Kurztest ASRS der WHO erkannte in seiner Entwicklungsstudie rund 69 Prozent der Erwachsenen mit ADHS. Ein unauffälliges Ergebnis schließt ADS also nicht aus.
  • Zur Testung gehören Fragen zu heute und zur Kindheit, Fragebögen, wenn möglich Angaben von Angehörigen und die Prüfung, ob etwas anderes die Beschwerden besser erklärt.
  • Welches Erscheinungsbild vorliegt, also ADS oder gemischte ADHS, ergibt sich erst aus der vollständigen Diagnostik.

Gibt es einen Test, der ADS sicher nachweist?

Nein. Die deutsche S3-Leitlinie zu ADHS ist hier eindeutig: Laboruntersuchungen, EEG und andere apparative Verfahren können die Diagnose nicht stellen. Auch neuropsychologische Tests am Computer sollen die Diagnose weder allein begründen noch allein ausschließen. Bei Erwachsenen soll die Beurteilung überwiegend auf einem klinischen Interview beruhen.

Wenn von einem „ADS-Test“ die Rede ist, sind deshalb drei sehr verschiedene Dinge gemeint:

WasWofür es taugtWas es nicht kann
Selbsttest (Screening)Erste Einschätzung in wenigen Minuten, ob sich eine Abklärung lohntDiagnose stellen, Erscheinungsbild bestimmen, andere Ursachen ausschließen
Fragebögen in der DiagnostikSymptome in Stärke und Häufigkeit erfassen, mit Normwerten vergleichen, Angehörige einbeziehenDas Gespräch ersetzen
Ärztliche oder psychotherapeutische DiagnostikDiagnose, Erscheinungsbild, Schweregrad und Abgrenzung zu anderen UrsachenEin Ergebnis in fünf Minuten liefern

Was kann ein ADS-Selbsttest?

Der bekannteste Selbsttest für Erwachsene ist die Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS), entwickelt im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation. Die Vollversion hat 18 Fragen zu den Symptomen aus dem Diagnosehandbuch. Für das Screening wurden daraus sechs Fragen ausgewählt, die in der Entwicklungsstudie am besten mit der ärztlichen Einschätzung übereinstimmten.

In dieser Studie mit 154 Erwachsenen zeigte der Kurztest bei 68,7 Prozent der Menschen mit ADHS ein auffälliges Ergebnis. Bei 99,5 Prozent der Menschen ohne ADHS blieb er unauffällig. Für dich heißt das: Ein auffälliges Ergebnis ist ein guter Grund, genauer hinzuschauen. Ein unauffälliges Ergebnis ist dagegen keine Entwarnung, wenn du dich im Alltag trotzdem stark wiederfindest. Knapp ein Drittel der Menschen mit ADHS fiel im Kurztest nicht auf.

Ein Screening sagt dir außerdem nicht, ob es ADS, gemischte ADHS oder etwas ganz anderes ist. Konzentrationsprobleme gibt es auch bei Depression, Angst oder Schlafmangel. Unser ADHS-Selbsttest ist kostenlos, nutzt die sechs Fragen des ASRS-v1.1 und wertet sie nach dem offiziellen Protokoll aus. Er dauert etwa zwei Minuten.

Kostenlose Online-Tests: Woran erkennst du einen seriösen?

Im Netz gibt es viele kostenlose „ADS-Tests“ und ADHS-Tests für Erwachsene, von wissenschaftlichen Fragebögen bis zu Quizzen ohne jede Grundlage. Kostenlos ist dabei kein Qualitätsmerkmal, weder im Guten noch im Schlechten. Ein paar Merkmale helfen beim Einordnen:

  • Er nennt seine Grundlage, also welcher Fragebogen dahintersteht und wer ihn entwickelt hat.
  • Er sagt klar, dass er keine Diagnose ist, und erklärt, was ein auffälliges Ergebnis bedeutet.
  • Er fragt abgestuft nach Häufigkeit, etwa von „nie“ bis „sehr oft“. Laut Leitlinie sind reine Ja-Nein-Fragen weniger genau und überschätzen Symptome leicht, weil es bei ADHS auf die Häufigkeit ankommt.
  • Er verspricht keinen „Typ“. Tests, die dir einen von sieben ADHS-Typen zuordnen, beruhen nicht auf anerkannten Kriterien. Mehr dazu unter ADHS-Typen.
  • Er will nicht vor dem Ergebnis deine Kontaktdaten.

Wie läuft eine ADS-Testung bei Erwachsenen ab?

Eine leitliniengerechte Testung besteht aus mehreren Bausteinen. Die Reihenfolge unterscheidet sich je nach Praxis, die Inhalte sind ähnlich:

  1. Ausführliches Gespräch über deine aktuellen Schwierigkeiten in Beruf, Partnerschaft und Alltag, über Belastungen und Ressourcen und über deine Entwicklung seit der Kindheit. Für die Diagnose müssen mehrere Symptome schon vor dem 12. Lebensjahr da gewesen sein.
  2. Strukturiertes Interview, das die Kriterien systematisch durchgeht, zum Beispiel das DIVA-5, ein halbstrukturiertes Interview für Erwachsene nach DSM-5.
  3. Fragebögen zur Selbst- und Fremdeinschätzung. Die Leitlinie nennt für Erwachsene unter anderem die Homburger ADHS-Skalen (HASE), die aktuelle Symptome und rückblickend die Kindheit erfassen, und die Conners-Skalen für Erwachsene (CAARS).
  4. Angaben von Bezugspersonen: Eltern, Geschwister oder Partner:innen können beschreiben, wie du als Kind warst oder wie du im Alltag wirkst. Laut ICD-11 ist die Kindheitsgeschichte bei Erwachsenen ein wichtiger Baustein.
  5. Abgrenzung: Ärzt:innen prüfen, ob Depression, Angst, Schlafstörungen, Substanzkonsum oder körperliche Ursachen die Beschwerden besser erklären oder zusätzlich vorliegen. Die Leitlinie sieht dafür auch eine körperliche Untersuchung vor.
  6. Befund und Gespräch: Ob eine ADHS vorliegt, welches Erscheinungsbild, wie ausgeprägt sie ist und was als Nächstes sinnvoll ist.

Computergestützte Aufmerksamkeitstests können ergänzend eingesetzt werden, etwa um zu sehen, wie du unter standardisierten Bedingungen arbeitest. Für die Unterscheidung von ADS und gemischter ADHS mit solchen Tests fehlen laut Leitlinie überzeugende Belege.

Wie bereitest du dich auf die Testung vor?

Du musst nichts lernen und nichts beweisen. Hilfreich ist aber, wenn du ein paar Dinge zusammenträgst:

  • Alte Zeugnisse, vor allem Grundschulzeugnisse mit Bemerkungen zum Verhalten. Laut Leitlinie können sie Hinweise enthalten, auch wenn ihre Aussagekraft für die Diagnose nicht durch Studien belegt ist.
  • Menschen, die dich als Kind kannten: Frag Eltern oder Geschwister, ob sie bereit sind, einen Fragebogen auszufüllen.
  • Konkrete Beispiele aus dem Alltag: verpasste Fristen, liegen gebliebene Post, typische Situationen im Job. Notier sie dir ein paar Tage lang.
  • Vorbefunde und Medikamente: frühere Diagnosen, aktuelle Medikamente, Hinweise zu Schlaf, Schilddrüse oder Substanzkonsum.

Viele Erwachsene mit ADS haben Sorge, im Gespräch „zu normal“ zu wirken. Das ist kein Problem: Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass Symptome in der Untersuchungssituation nicht auftreten müssen.

Wer testet ADS bei Erwachsenen?

Laut S3-Leitlinie sollten Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie, Nervenheilkunde oder psychosomatische Medizin die Diagnostik durchführen, ebenso ärztliche oder psychologische Psychotherapeut:innen mit Fachkunde für Erwachsene. Wichtig ist Erfahrung mit ADHS im Erwachsenenalter.

Die Testung ist auch per Video möglich: Kassenpraxen dürfen Videosprechstunden anbieten, und es gibt spezialisierte Online-Praxen. Bei hej mind läuft die ADHS-Diagnostik in vier Terminen per Videosprechstunde, vom Erstgespräch bis zum ärztlichen Befund meist in 4 bis 8 Wochen. Fragebögen für Angehörige, Zeugnisse und Vorbefunde fließen dabei mit ein.

Ob die Kosten übernommen werden, hängt von deiner Versicherung ab. Die Wege für gesetzlich und privat Versicherte findest du unter ADHS-Diagnose und Krankenkasse, einen kostenlosen Kostenvoranschlag zum Einreichen bekommst du bei uns direkt. Wie sich ADS im Alltag zeigt, liest du unter ADS bei Erwachsenen.

Häufige Fragen

Wie kann ich ADS bei mir testen?

Für einen ersten Eindruck eignet sich ein wissenschaftlich entwickelter Selbsttest wie der ASRS der WHO. Ist das Ergebnis auffällig oder erkennst du dich stark wieder, ist der nächste Schritt eine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik. Nur dort kann ADS festgestellt werden.

Wie zuverlässig ist ein ADS-Selbsttest?

Der ASRS-Kurztest erkannte in seiner Entwicklungsstudie rund 69 Prozent der Erwachsenen mit ADHS und blieb bei 99,5 Prozent der Menschen ohne ADHS unauffällig. Ein auffälliges Ergebnis ist also ein starkes Signal, ein unauffälliges schließt ADS aber nicht aus.

Wie lange dauert eine ADS-Testung bei Erwachsenen?

Das hängt von der Praxis ab. Meist sind es mehrere Termine für Gespräch, Fragebögen und Befund. Bei hej mind sind es vier Termine per Videosprechstunde, vom Erstgespräch bis zum Befund meist 4 bis 8 Wochen.

Gibt es einen kostenlosen ADHS-Test für Erwachsene?

Ja, als Screening. Unser ADHS-Selbsttest beruht auf dem ASRS der WHO, ist kostenlos und dauert etwa zwei Minuten. Die vollständige Diagnostik ist eine ärztliche Leistung und kostet Geld, sie ist aber auch per Videosprechstunde möglich.

Kann ein Computertest ADS nachweisen?

Nein. Laut S3-Leitlinie soll die Diagnose nicht allein auf neuropsychologischen Tests beruhen und auch nicht allein durch sie ausgeschlossen werden. EEG, Blutwerte oder Bildgebung können ADS ebenfalls nicht nachweisen.

Wer bezahlt die ADS-Testung?

In Kassenpraxen und Klinikambulanzen trägt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, Privatversicherungen und Beihilfe erstatten je nach Tarif. Alle Wege und Ausnahmen haben wir unter ADHS-Diagnose und Krankenkasse zusammengestellt.

Quellen
  1. AWMF: Interdisziplinäre S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 2.0 (2026), Register-Nr. 028-045
  2. Kessler, R. C. et al. (2005): The World Health Organization Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS): a short screening scale for use in the general population. Psychological Medicine 35(2), 245-256
  3. WHO: ICD-11, 6A05 Attention deficit hyperactivity disorder (Version 2025-01)
  4. DIVA Foundation: DIVA-5, Diagnostic Interview for ADHD in adults
  5. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Videosprechstunde

Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Diagnose. Wenn du dich in der Beschreibung wiedererkennst, sprich mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Praxis, gern auch mit uns.

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