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Erscheinungsbilder im Überblick ADHS-Typen: Welche es wirklich gibt

Offiziell gibt es drei Erscheinungsbilder der ADHS: vorwiegend unaufmerksam, oft ADS genannt, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und gemischt. So steht es im DSM-5 und in der ICD-11. Die viel zitierten „7 ADHS-Typen“ stammen aus einem Buch des US-Psychiaters Daniel Amen und sind keine anerkannte Einteilung.

Aktualisiert am 14. Oktober 2026 6 Minuten Lesezeit Redaktion hej mind
Inhalt
  1. Welche ADHS-Typen gibt es?
  2. Kann sich der ADHS-Typ im Lauf des Lebens ändern?
  3. Welche ADHS-Formen kennt die ICD-10?
  4. Was bedeuten Schweregrad und Teilremission?
  5. Was ist dran an den 7 ADHS-Typen?
  6. Gibt es einen ADHS-Typen-Test?
  7. Häufige Fragen
Auf einen Blick
  • DSM-5 und ICD-11 kennen drei Erscheinungsbilder: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und gemischt.
  • Welches vorliegt, hängt davon ab, welche Symptomgruppe in den letzten sechs Monaten die Kriterien erfüllt hat. Es ist eine Momentaufnahme, kein fester Typ.
  • Eine Metaanalyse über 546 Studien fand, dass die früheren Untertypen über die Zeit wenig stabil sind. Seit 2013 spricht das DSM-5 von Erscheinungsbildern, die sich auf die letzten sechs Monate beziehen.
  • Die „7 ADHS-Typen“ gehen auf ein Buch von Daniel Amen zurück und beruhen auf Hirnbildern aus seinen Kliniken. In DSM-5, ICD-11 und der deutschen Leitlinie kommen sie nicht vor.
  • Einen Selbsttest, der deinen ADHS-Typ zuverlässig bestimmt, gibt es nicht. Das Erscheinungsbild ergibt sich aus der Diagnostik.

Welche ADHS-Typen gibt es?

ADHS hat zwei Symptomgruppen: Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivität und Impulsivität. Das DSM-5 beschreibt für jede Gruppe neun Symptome. Erwachsene ab 17 Jahren erfüllen eine Gruppe, wenn mindestens fünf davon seit mindestens sechs Monaten deutlich ausgeprägt sind. Aus der Kombination ergeben sich drei Erscheinungsbilder:

ErscheinungsbildWas in den letzten sechs Monaten erfüllt warICD-11
Vorwiegend unaufmerksam (oft ADS genannt)Kriterien für Unaufmerksamkeit, nicht für Hyperaktivität und Impulsivität6A05.0
Vorwiegend hyperaktiv-impulsivKriterien für Hyperaktivität und Impulsivität, nicht für Unaufmerksamkeit6A05.1
Gemischt (Mischtyp)Kriterien beider Gruppen6A05.2

Die ICD-11 hat zusätzlich Codes für „sonstige näher bezeichnete“ und „nicht näher bezeichnete“ Erscheinungsbilder. Für alle drei Formen gelten dieselben Grundregeln: Mehrere Symptome waren schon vor dem 12. Lebensjahr da, sie zeigen sich in mehreren Lebensbereichen und sie beeinträchtigen den Alltag spürbar. Wie sich das bei Erwachsenen äußert, steht unter ADHS-Symptome bei Erwachsenen, das unaufmerksame Bild beschreiben wir ausführlich unter ADS bei Erwachsenen.

Kann sich der ADHS-Typ im Lauf des Lebens ändern?

Ja. Deshalb ist „Typ“ eigentlich das falsche Wort. Das DSM-IV sprach noch von Untertypen. Eine große Metaanalyse über 546 Studien, ausdrücklich als Entscheidungshilfe für das DSM-5 angelegt, kam 2012 zu dem Ergebnis, dass diese Untertypen über die Zeit deutlich instabil sind. Sie beschreiben eher die aktuelle Stärke der beiden Symptomgruppen als getrennte Formen der Störung. Das DSM-5 hat die Untertypen 2013 durch Erscheinungsbilder ersetzt, die sich auf die letzten sechs Monate beziehen.

Auch die ICD-11 hält fest, dass sich das vorherrschende Symptommuster bei einer Person oft verändert und sich nicht aus dem Bild anderer Familienmitglieder ableiten lässt. Typisch ist folgender Verlauf: Als Kind fällt vor allem die Unruhe auf, im Erwachsenenalter tritt sie zurück. Die deutsche S3-Leitlinie beschreibt, dass die Unaufmerksamkeit eher bestehen bleibt als die hyperaktiv-impulsiven Symptome. Aus einem gemischten Bild in der Kindheit kann so im Beruf ein vorwiegend unaufmerksames werden.

Welche ADHS-Formen kennt die ICD-10?

In Deutschland werden Diagnosen für Kassen und Befunde noch nach der ICD-10-GM verschlüsselt. Sie denkt anders als DSM-5 und ICD-11 und spricht von „hyperkinetischen Störungen“:

  • F90.0 Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
  • F90.1 Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens
  • F90.8 und F90.9 sonstige und nicht näher bezeichnete hyperkinetische Störungen
  • F98.80 Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität mit Beginn in der Kindheit und Jugend, also das, was umgangssprachlich ADS heißt

Laut S3-Leitlinie ist die hyperkinetische Störung der ICD-10 enger gefasst als die ADHS des DSM-5, sie entspricht einer ausgeprägten Form des gemischten Bildes. Die ICD-11 übernimmt die drei Erscheinungsbilder aus dem DSM-5.

Was bedeuten Schweregrad und Teilremission?

Neben dem Erscheinungsbild kennt das DSM-5 zwei weitere Angaben, die für Erwachsene oft wichtiger sind als der „Typ“:

  • Schweregrad leicht, mittel oder schwer: Er richtet sich danach, wie viele Symptome über die Mindestzahl hinaus da sind und wie stark sie den Alltag beeinträchtigen.
  • In Teilremission: Früher waren alle Kriterien erfüllt, in den letzten sechs Monaten nicht mehr ganz, die Symptome beeinträchtigen aber weiterhin. Das betrifft vor allem Jugendliche und Erwachsene.

Die S3-Leitlinie nutzt den Schweregrad für die Behandlungsplanung. Bei leichter ADHS steht nach der Aufklärung psychosoziale Unterstützung im Vordergrund, bei mittlerer kommen psychosoziale Hilfen, Medikamente oder beides in Frage, bei schwerer werden Medikamente vorrangig angeboten, meist kombiniert mit psychosozialer Unterstützung. Was für dich passt, wägst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Was ist dran an den 7 ADHS-Typen?

Die Einteilung in sieben Typen stammt vom US-Psychiater Daniel Amen, bekannt geworden durch sein Buch „Healing ADD“, das 2013 in überarbeiteter Auflage erschien. Er unterscheidet einen klassischen, einen unaufmerksamen, einen überfokussierten, einen Temporallappen-, einen limbischen, einen „Ring of Fire“- und einen ängstlichen Typ. Grundlage sind laut Buch Hirnbilder aus seinen eigenen Kliniken.

Dagegen spricht einiges:

  • Keine anerkannte Einteilung: Weder DSM-5 noch ICD-11 noch die deutsche S3-Leitlinie kennen diese Typen.
  • Bildgebung stellt keine ADHS-Diagnose: Laut Leitlinie lässt sich ADHS mit EEG und anderen apparativen Verfahren nicht diagnostizieren. Gefundene Unterschiede im Gehirn gelten nur auf Gruppenebene und sind zu schwach für Tests im Einzelfall.
  • Schon die offiziellen Untertypen sind instabil: Wenn sich drei grobe Gruppen über die Zeit kaum halten, ist bei sieben feineren erst recht Vorsicht angebracht.
  • Vermischung mit anderen Themen: Typen wie „ängstlich“ oder „limbisch“ beschreiben eher Angst oder Stimmungsprobleme. Die können zusätzlich zu ADHS bestehen und gehören in eine eigene Abklärung, etwa bei ADHS und Depression.

Viele Menschen finden sich trotzdem in einzelnen Beschreibungen wieder. Das ist nachvollziehbar, denn ADHS sieht bei jeder Person anders aus, je nach Begleitthemen wie emotionaler Dysregulation oder Hyperfokus. Für Diagnose und Behandlung ist die Einteilung aber nicht geeignet.

Gibt es einen ADHS-Typen-Test?

Nicht im Sinne eines Selbsttests, der dir zuverlässig sagt, welcher Typ du bist. Online-Tests zu den „7 Typen“ beruhen auf Amens Modell und nicht auf anerkannten Kriterien. Auch wissenschaftliche Screenings wie der ASRS der WHO zeigen nur, ob eine Abklärung sinnvoll ist, nicht welches Erscheinungsbild vorliegt.

Das Erscheinungsbild ergibt sich in der Diagnostik: aus Gespräch, Fragebögen und dem Blick darauf, wie viele Symptome beider Gruppen in den letzten sechs Monaten deutlich ausgeprägt waren. Selbst computergestützte Aufmerksamkeitstests können die Untertypen laut Leitlinie nicht überzeugend unterscheiden. Wie eine seriöse Testung abläuft, liest du unter ADS-Test für Erwachsene. Für einen ersten Eindruck gibt es unseren ADHS-Selbsttest.

Hilfreicher als der Name des Typs ist oft die Frage, was dich im Alltag am meisten behindert. Genau darauf zielt eine gute ADHS-Diagnostik: Sie ordnet ein, wie ausgeprägt die Symptome sind, was zusätzlich eine Rolle spielt und welche Unterstützung zu dir passt.

Häufige Fragen

Welche ADHS-Typen gibt es?

Offiziell drei Erscheinungsbilder: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und gemischt. So beschreiben es DSM-5 und ICD-11. Welches vorliegt, hängt davon ab, welche Symptomgruppe in den letzten sechs Monaten die Kriterien erfüllt hat.

Gibt es 7 ADHS-Typen?

Nicht nach anerkannten Kriterien. Die sieben Typen stammen aus dem Buch „Healing ADD“ des US-Psychiaters Daniel Amen und beruhen auf Hirnbildern aus seinen Kliniken. Diagnosehandbücher und die deutsche Leitlinie verwenden diese Einteilung nicht.

Ist ADS ein ADHS-Typ?

Ja. ADS ist der umgangssprachliche Name für das vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsbild der ADHS. Mehr dazu unter ADS bei Erwachsenen.

Kann sich der ADHS-Typ ändern?

Ja, das ist sogar häufig. Die ICD-11 beschreibt, dass sich das vorherrschende Symptommuster im Lauf der Zeit oft verändert. Bei vielen tritt die Hyperaktivität im Erwachsenenalter zurück, während die Unaufmerksamkeit bleibt.

Was ist der ADHS-Mischtyp?

Mischtyp ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das gemischte Erscheinungsbild. Hier sind sowohl die Kriterien für Unaufmerksamkeit als auch die für Hyperaktivität und Impulsivität erfüllt. In der ICD-11 hat es den Code 6A05.2.

Gibt es einen Test, der meinen ADHS-Typ bestimmt?

Einen zuverlässigen Selbsttest dafür gibt es nicht. Das Erscheinungsbild wird in der Diagnostik bestimmt, anhand der Symptome beider Gruppen in den letzten sechs Monaten. Ein Screening wie unser ADHS-Selbsttest zeigt nur, ob eine Abklärung sinnvoll ist.

Quellen
  1. SAMHSA (2016): DSM-5 Changes: Implications for Child Serious Emotional Disturbance, Tabelle 7: DSM-IV to DSM-5 Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Comparison
  2. WHO: ICD-11, 6A05 Attention deficit hyperactivity disorder (Version 2025-01)
  3. BfArM: ICD-10-GM Version 2026, Block F90 bis F98
  4. Willcutt, E. G. et al. (2012): Validity of DSM-IV attention deficit/hyperactivity disorder symptom dimensions and subtypes. Journal of Abnormal Psychology 121(4), 991-1010
  5. AWMF: Interdisziplinäre S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 2.0 (2026), Register-Nr. 028-045
  6. Amen, D. G. (2013): Healing ADD Revised Edition: The Breakthrough Program that Allows You to See and Heal the 7 Types of ADD. New York: Berkley

Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Diagnose. Wenn du dich in der Beschreibung wiedererkennst, sprich mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Praxis, gern auch mit uns.

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