- LRS steht entweder für Lese-Rechtschreibstörung oder für Lese-Rechtschreibschwäche. Selbst amtliche Texte verwenden die Begriffe nicht einheitlich.
- Die Lese-Rechtschreibstörung ist eine medizinische Diagnose (ICD-10 F81.0 und F81.1, ICD-11 6A03.0 und 6A03.1) und meint dasselbe wie Legasthenie.
- Eine Lese-Rechtschreibschwäche beschreibt Schwierigkeiten, ohne über die Ursache zu entscheiden. Auch Lücken im Unterricht oder eine neue Unterrichtssprache können dahinterstecken.
- In der Schule erkennt und fördert die Schule selbst, nach den Regeln des Bundeslands. Im Studium dienen vor allem ärztliche Atteste als Nachweis.
- Ein Online-LRS-Test zeigt höchstens eine Tendenz. Eine Diagnose braucht normierte Lese- und Rechtschreibtests und eine fachliche Einordnung.
Was ist LRS?
LRS ist die Abkürzung für zwei Begriffe, die leicht verwechselt werden: Lese-Rechtschreibstörung und Lese-Rechtschreibschwäche. Die Störung ist ein Begriff aus den medizinischen Diagnosesystemen. Die Schwäche ist eher ein Begriff aus Schule und Alltag. Beide beschreiben, dass Lesen und Schreiben deutlich schwerer fallen als erwartet. Sie unterscheiden sich darin, wie genau die Ursache geprüft wurde.
Wie unscharf die Sprache ist, zeigt ein Blick in amtliche Texte. Die Versorgungsmedizin-Verordnung, nach der Ämter den Grad der Behinderung bemessen, schreibt „Lese-Rechtschreib-Schwäche [Legasthenie]“ und setzt damit beides gleich. Die Kultusministerkonferenz spricht in ihren Grundsätzen für die Schule von „besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben“. Wenn du LRS liest, lohnt deshalb die Frage: Ist eine Diagnose gemeint oder eine Beobachtung?
Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche?
Legasthenie und Lese-Rechtschreibstörung meinen dasselbe. Für die Diagnose müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein: Die Schwierigkeiten bestehen seit dem Lesen- und Schreibenlernen, sie sind deutlich und anhaltend, und nichts anderes erklärt sie besser. Die ICD-10-GM schließt zum Beispiel Rechtschreibschwierigkeiten aus, die durch unzureichenden Unterricht entstanden sind.
Eine Lese-Rechtschreibschwäche ist weiter gefasst. Gemeint sind Schwierigkeiten, egal woher sie kommen. Dahinter kann eine Legasthenie stecken. Es können aber auch Lücken im Unterricht sein, eine Unterrichtssprache, die noch nicht sicher sitzt, oder schwierige Lebensumstände. Genau diese Gründe nennt die ICD-11 als Ausschluss für die Diagnose einer Lese-Rechtschreibstörung.
| Merkmal | Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) | Lese-Rechtschreibschwäche |
|---|---|---|
| Herkunft | Medizin: ICD-10 F81.0 und F81.1, ICD-11 6A03.0 und 6A03.1 | Schule und Alltag, kein eigener Diagnoseschlüssel |
| Ursache | Entwicklungsbedingt, mit großem erblichem Anteil | Offen: Legasthenie oder andere Gründe wie Unterrichtslücken |
| Wer stellt fest | Ärzt:innen und Psycholog:innen mit standardisierten Tests | Oft die Schule, nach den Regeln des Bundeslands |
| Verlauf | Bleibt ohne wirksame Förderung oft bis ins Erwachsenenalter | Hängt von der Ursache ab |
| Wofür wichtig | Attest für Nachteilsausgleich in Studium, Ausbildung und Beruf | Förderung und Nachteilsausgleich in der Schule |
Mehr zum Krankheitsbild selbst, zu Ursachen und Förderung, liest du unter Was ist eine Legasthenie?.
Wie wird LRS diagnostiziert?
Das hängt davon ab, wer fragt. In der Schule gehört es laut Kultusministerkonferenz zu den Aufgaben der Schule, besondere Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben zu erkennen und zu fördern. Ob eine Schülerin oder ein Schüler bei Prüfungen einen Nachteilsausgleich bekommt, ist eine schulische Entscheidung, die das Landesrecht regelt. Welche Nachweise dafür nötig sind, unterscheidet sich deshalb von Bundesland zu Bundesland.
Eine medizinische Diagnose stellen Ärzt:innen, oft gemeinsam mit Psycholog:innen. Dazu gehören:
- ein ausführliches Gespräch über Schulzeit, Lese- und Schreibentwicklung und den heutigen Alltag, am besten mit alten Zeugnissen,
- standardisierte Tests für Lesegeschwindigkeit, Lesegenauigkeit, Leseverständnis und Rechtschreibung, ausgewertet mit Normwerten für dein Alter,
- eine Einschätzung der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten,
- der Ausschluss anderer Erklärungen wie Seh- oder Hörprobleme oder Lücken im Unterricht.
Welche Tests eingesetzt werden und wie streng die Grenzwerte sind, ist in Deutschland bisher uneinheitlich. Das ist ein Grund, warum die deutsche S3-Leitlinie zur Lese- und Rechtschreibstörung derzeit überarbeitet wird. Frag deshalb nach, mit welchen normierten Verfahren getestet wird.
Was zeigt ein LRS-Test?
Unter „LRS-Test“ findest du vieles: kurze Online-Fragebögen, Schultests für einzelne Klassenstufen und ausführliche diagnostische Verfahren. Für eine Diagnose zählen nur standardisierte Tests, die an großen Gruppen normiert sind. Nur so lässt sich sagen, ob deine Leistung deutlich unter der von Menschen deines Alters liegt.
Ein Selbsttest kann trotzdem ein sinnvoller erster Schritt sein. Er misst nicht, wie gut du liest, sondern fragt, wie es dir im Alltag mit Lesen und Schreiben geht. Daraus ergibt sich eine Tendenz, keine Diagnose.
Bei hej mind nutzen wir in der Diagnostik standardisierte Lese- und Rechtschreibtests (SLRT-II und R-PA) und einen Intelligenztest (CFT-20) zur Einordnung. Diagnostiziert wird nach ICD-11 (6A03.0 oder 6A03.1) beziehungsweise ICD-10 (F81.0).
LRS als Erwachsene:r testen lassen: Lohnt sich das?
Viele Erwachsene haben in der Schule gehört, sie hätten „LRS“, ohne dass je genauer getestet wurde. Andere wurden nie getestet und haben sich durchgekämpft. Eine Lese-Rechtschreibschwäche als Erwachsene:r testen zu lassen, kann aus mehreren Gründen sinnvoll sein:
- Nachteilsausgleich: Für mehr Zeit oder andere Bedingungen in Studium, Ausbildung oder Prüfungen brauchst du einen Nachweis. Mehr dazu unter Nachteilsausgleich.
- Klarheit: Zu wissen, dass hinter der Mühe eine Störung steckt und keine Faulheit, entlastet viele.
- Begleitfaktoren: ADHS, Autismus oder Hochbegabung können mit hineinspielen und das Bild verändern.
- Strategien: Wer die eigenen Stärken und Schwächen genau kennt, kann Hilfsmittel gezielter einsetzen.
Einen ersten Eindruck gibt dir unser Legasthenie-Selbsttest mit 9 Fragen, anonym und in wenigen Minuten. Er ist nicht normiert und ersetzt keine Diagnostik. Die Legasthenie-Diagnostik bei hej mind läuft komplett online per Videosprechstunde, ärztlich und psychologisch begleitet, und dauert zwei bis vier Wochen. Sind die Kriterien erfüllt, bekommst du ein ärztliches Attest.
Hast du schon einen Befund aus der Schulzeit? Ob er für einen Antrag reicht, entscheidet die Stelle, bei der du ihn stellst. Frag dort am besten vorher nach. Wenn deine Diagnose gesichert ist und du keine neue Testung brauchst, dich das Thema im Alltag aber weiter belastet, bietet hej mind auch eine psychologische Beratung per Video an.
Häufige Fragen
Ist LRS das Gleiche wie Legasthenie?
Wenn mit LRS die Lese-Rechtschreibstörung gemeint ist, ja. Steht LRS für Lese-Rechtschreibschwäche, ist der Begriff weiter: Er beschreibt Schwierigkeiten, ohne zu klären, ob eine Legasthenie oder etwas anderes dahintersteckt. Im Zweifel bringt eine standardisierte Diagnostik Klarheit.
Was ist eine isolierte Rechtschreibstörung?
So heißt es, wenn nur das Rechtschreiben betroffen ist und nie eine Lesestörung bestand. Die ICD-10-GM führt sie als F81.1. Die ICD-11 ordnet sie unter 6A03.1 ein, der Beeinträchtigung im schriftlichen Ausdruck, zu der auch Grammatik und Zeichensetzung gehören.
Kann eine LRS wieder verschwinden?
Eine Lese-Rechtschreibschwäche, die etwa auf Lücken im Unterricht zurückgeht, kann mit Förderung kleiner werden. Eine Lese-Rechtschreibstörung bleibt ohne wirksame Förderung oft bestehen, auch bis ins Erwachsenenalter. Lesen und Schreiben lassen sich trotzdem verbessern, und Hilfsmittel gleichen viel aus.
Wo kann ich als Erwachsene:r LRS testen lassen?
Bei Ärzt:innen und Psycholog:innen, die normierte Lese- und Rechtschreibtests mit passenden Altersnormen einsetzen. Bei hej mind läuft die Testung komplett online, ärztlich und psychologisch begleitet, mit Befund und, wenn die Kriterien erfüllt sind, einem ärztlichen Attest.
Gibt es einen kostenlosen LRS-Test?
Kostenlose Fragebögen gibt es viele, auch unseren Legasthenie-Selbsttest. Sie zeigen eine Tendenz, mehr nicht. Eine Diagnose braucht normierte Tests und ein Gespräch über deine Entwicklung.
Bekomme ich mit LRS einen Nachteilsausgleich?
Möglich ist das in Schule, Studium, Ausbildung und bei Prüfungen. In der Schule gelten die Regeln deines Bundeslands. Im Studium verlangen Hochschulen Nachweise, etwa ein ärztliches Attest, das die Auswirkungen auf Prüfungen beschreibt. Was genau gewährt wird, entscheidet immer die zuständige Stelle.
- BfArM: ICD-10-GM Version 2026, Block F80 bis F89, darin F81.0 und F81.1
- WHO: ICD-11, 6A03 Developmental learning disorder
- Kultusministerkonferenz (2003, i.d.F. vom 15.11.2007): Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen
- Versorgungsmedizin-Verordnung, Anlage zu § 2 (Versorgungsmedizinische Grundsätze), Teil B Nr. 3.4.2
- AWMF: S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung bei der Lese- und/oder Rechtschreibstörung, Anmeldung der Überarbeitung vom 23.06.2025 (Register-Nr. 028-044)
- Deutsches Studierendenwerk: Nachteilsausgleich: Antragsverfahren und Nachweise
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